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Die Welt von innen betrachten

Sein & Schein vereint auf dieser Seite



Freitag, 02. März 2007

Kein Bock auf zweites Blog...

Von Joachim Schmidt, 01:45




Lieber Besucher dieser Seite, ich habe mein Blog auf eine andere Seite verschoben:

www.jauchi.wordpress.com

Das deswegen, weil ich mit dem Service hier unzufrieden war und ich außerdem auf Dauer keine zwei Blogs unterhalten kann, zeitlich einfach nicht möglich. Daher beschränke ich mich nun ganz auf das italienisch/deutsche Blog auf der angegeben Seite und sehe Euch dort wieder.

Montag, 19. Februar 2007

Da sindwa dabei...dat is prima !!!

Von Joachim Schmidt, 22:01
Tja, auch wenn ich mit dem ganzen Schiet eigentlich nichts zu tun hab aufgrund meiner protestantisch-nördlichen Herkunft, muss ich doch zugeben, dass der Karneval, wenn auch nur der Bonns, der mit dem Kölles sicher nicht mitziehen kann, durchaus eine sehr amüsante Angelegenheit ist. Allerdings wohl nur für ein zwei Tage. Also ich könnte nie für das ganze lange Wochenende durch immer diegleichen Lieder singen, geschweige denn hören. Aber wir haben das rechte Mittelmaß gefunden zwischen Kneipentour und familiärer Erholung. Apropos letzterer ...diese familiäre Erholung wird sich eventuell demnächst nicht mehr ganz so leicht realisieren lassen für die eine und den anderen...wat solls, die Karawane zieht weiter, der Sultan hett Durscht!!!


Von oben links: Knut, Samson, Isebelle,  Lilo, Bibo; Oskar, Tiffy, Henning
zweite Reihe: Groby, Herr von Bödefeld, Miss Piggy, Kermet, Quax der Bruchpilot, die Panzerknacker und Grinsekatze.



Zum Verwechseln ähnlich:Die Gebrüder Hampeltom und Drehwurmdick.


Nur mal so nebenbei: Karneval in Venedig, ja, den gibts es, aber mal Hand aufs Herz: Was heißt noch mal Gähnen auf Italienisch?
Kostüme und Ambiente einmalig, die Stimmung leider auch.



Hab lage nichts mehr von mir gegeben, es gab aber ach nisctr neues. Mhhh, ich überleg und überleg, aber nö...

Dienstag, 13. Februar 2007

Ein Tag zum Feiern

Von Joachim Schmidt, 11:06


Heute war ich erstmals in den Hügeln und fuhr meine ersten sechzig Kilometer ins Gummi. YEAH !
Ein Grund zum Feiern zudem, da mein Bruder 30. feiert und ich ihm deshalb diese 60. Kilometer widme. Er lebe hoch.

Dienstag, 30. Januar 2007

Oh Romeo oh Romeo...

Von Joachim Schmidt, 18:58
...so sprach die Juliet und stand auf dem falschen Balkon.
Weil er so falsch ist und trotzdem so viele Touristen anzieht, muss er hier zwar nicht durch ein Foto abgebildet werden, aber immerhin seinen kleinen Anerkennungsartikel erhalten. Denn aus aller Welt pilgern die Verliebten an diesen ebendafür kreierten Ort der Besinnung und Blitzlichter, Reiseführer auf japanisch und Bauchläden, und zuletzt:

Die stolze, mit altem Kaugummi festgeklebte Zettelsammlung am Eingang zum Balkonhof...

...Während der Junge noch ängstlich und etwas errötet um sich blickt und hofft, dass dieser Moment der Pein bäldigst ein Ende haben wird, klebt die Dame eifrig einen Zettel der Ewigkeit mit einem Schmatzer an die Wand. Oder schreibt zärtliche Worte des Herzens in rotem Glitzerstift in eine noch kaum erkennbar freie Ecke des übelriechenden Objektes...

Ich finde, dass dieser Ort Charakter hat: Jeder Mensch sollte seinem eigenen Glauben nachgehen dürfen!






Um dieses süße Bild nicht allein dastehen zu lassen, hier noch ein Paar Schüsse eines deutschen Touristen:









Kunst und Natur am Gardasee

Von Joachim Schmidt, 14:39
Dieses Wochenende fuhr ich Massimo besuchen, der kleine Italiener, den ich in Freiburg kennenlernte. Seine Eltern nahmen mich höchst freundlich (mit ihrer Küche auf), so dass es nebst Spazieren und Besuch der MART an Revereto an nichts fehlte. Zufällig traf ich zudem Christian, einen alten Unbekannten aus Perugia, der nun in Verona Erasmus macht: Wie ich so mit Massimo für ein Bier um die Straßen zog, kam er mir mit einem Haufen Erasmusstudenten entgegen, unter ihnen auch ein Assistent, den ich in Turin kennenlernte. Nicht, dass ihr glaubt, ein Zufall alleine würde reichen...so schlossen wir uns dem Trupp an und verbrachten einen langweiligen Abend in der ziemlich toten Stadt Verona gemeinsam...

Hier jedoch ein paar Fotos aus dem Sonntagsspaziergang am Gardasee.......











...... und anschließend die Moderne Kunstaustellung "MART" (Museo di arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto), die allerdings, was ihre Ausstellungsobjekte betrifft, nicht nennenswert ist, dafür architektonisch auf hohem "modernen" Niveau mitspielen kann, eine Tatsache, die wir Mario Botta durch sein "Pantheon ohne Fassade" zu verdanken haben, mit der er den kleinen zur Verfügung stehenden Platz ganz nutzen konnte.










Architektonisch sehenswert, austtellungstechnisch weniger, so dass man sich ärgert, die 5 € doch tatsächlich gezahlt zu haben, zumal man überhaupt nicht um das Ticket gebeten wurde...Naja...

Montag, 22. Januar 2007

Peggy und ihre Ausstellung

Von Joachim Schmidt, 23:38


Das Guggenheim in Venedig besuchte ich gestern, hier ein paar Eindrücke von einer kleinen, aber sehr feinen Ausstellung. (Das mit dem Copyright nehme ich halbwegs ernst, sollte man auch, wenn man sich nicht lebenslänglich verschulden will...deswegen nur ein Foto eines Gemäldes - natürlich ohne Blitz.)















Die Kunstsammlerin mit ihren Hunden, die sich so in ihrer Lebenszeit ansammelten und  verstarben....








Im Garten vom Guggenheim Museum in Venedig























Mimosen und Hooligans im Land der „Weltmeister“ – Che Spettacolo !!

Von Joachim Schmidt, 23:10

„Calcio“ wird hier groß geschrieben. Man spielt es auf dem großen wie auf dem kleinen Feld (dann heißt es „calcetto“). Durch Guido, meinen Italienischlehrer, kam ich an die passionierten sportivi von Padua. Sie spielen jeden Samstag und Mittwoch. Seit einer guten Woche bin ich mit von der Partie. Anfangs stand ich, wie das so ist, wenn man ein Neuling ist, im Tor, machte eine einigermaßen gute Figur, das heißt, ich ließ keinen der nicht einmal annähernd gefährlichen Torschüsse, wenn sie denn mal aufs Tor kullerten, durch meine Finger ins Netz gleiten. Nach einer halben Stunde war der erste Spieler müde und ging dann nach dem fünften Anfragen endlich ins Tor…so durfte ich dann auch auf dem Feld die atemberaubende Spielweise der Weltmeister bewundern.



Was für ein Spektakel!!! Im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man jemanden auch nur mit dem kleinen Finger berühren sollte, fliegt er im hohen Bogen über den lehmigen und feuchten Boden, den man kaum noch Rasen nennen darf, und jammert fünf Minuten lang, bis er endlich den Freistoß für seine Mannschaft erwimmern konnte.

 „Non fare la scena, diobon!!!“, brüllen die anderen. “Mach keine Szene, bei Gott!“ Aber es gehört dazu, er wälzt sich und hält sich das falsche Knie.


Als ich noch im Tor stand, machte ich mit meinen Straßenschuhen (die auf diesem Matschrasen alles andere als geeignet waren, wie sich bald zeigen sollte) einen Abstoß, rutschte dabei aus, so dass der Ball zu niedrig übers Feld flog und einen meiner sechzigjährigen Verteidiger volle Breitseite auf sein durch das Alter bereits zu einem Kohlblatt angewachsenen Ohr traf. Er schrie auf, das Kohlblatt wurde rot, soweit ich das aus der Entfernung sehen konnte…Viele lachten, er schrie jedoch, als hätte er soeben ohne Narkose einen Zahn gezogen bekommen.

Ich entschuldigte mich über das Feld etwas überschwänglich, jedoch in aller Augen ernsthaft, aber es genügte nicht: Er wandte sich von mir ab und lief ins Seitenaus. Ich dachte nun tatsächlich, dass ich ihm ernstlich weh getan hätte. Andere meinten, ich sollte ihm einen „baccino“ geben, ein Küsslein also. Ich lief übers Feld zu ihm rüber, nahm ihn in den Arm und redete auf ihn ein, dass ich das natürlich nicht wollte. Versuchte sogar, den Auftrag des Baccino in die Tat umzusetzen, doch er wich aus. Keine Chance.

Also, um ehrlich zu sein, nach all meinen Beobachtungen der letzten Spiele, kann ich rückblickend nur sagen, dass der Herr mit dem Kohlblatt übertrieb. Selbst wenn mein Abstoß ihm wirklich derart Schmerz zugefügt haben sollte, dann hätte er nicht sofort – bei unserem nächsten Angriff – nach vorne stürmen können, außerdem hätte er meine Entschuldigung wenigstens irgendwie mit einem Handwink akzeptieren können.

Ich lass das mal so stehen, mit dem Hinweis, die Überschrift dieses Artikels zu berücksichtigen…zu den Hooligans gehörte er wohl nicht, denn auch wenn er mich an diesem Tag kein einziges Mal mehr ansah, geschweige zu mir passte, sind wir uns nun wieder gut und er weiß sogar meinen Namen und fragt mich über meine Heimat aus, so dass man sagen kann, dass die Sache mit dem Kohlblatt vergessen ist. Denn schließlich versteht er auch meine Antworten zu seinen Fragen gut. Keine weitere Schäden also.

 

Grundsätzlich kann ich nur sagen, dass Fußball in Italien unheimlich wichtig ist, noch wichtiger als in Deutschland, um die männliche Kräfte und vor allem Schwächen herauszulassen.

Da gibt es den 25jährigen Adriano, den Gockel der Runde. Ein unbeschreiblich eitles Gesicht sitzt auf einem Stiernacken, der wiederum auf einem kräftigen Körper, der niemals, aber auch wirklich niemals den Ball passt noch ein Tor schießt. Er ist mir eine schöne Null, dieser Adriano!

Beim italienischen Fußball ist das Diskutieren definitivamente wichtiger als „giocare a calcio“. Es ist ein Phänomen, dass ich zwar in Perugia beim „calcetto“ schon beobachtete, aber beim großen Bruder „calcio“ ist es noch sehr viel deutlicher, zumal nach einer knappen Stunde keiner mehr laufen kann und das Reden und Brüllen notgedrungen wichtiger werden muss, um den Ball von der einen Seite zur anderen zu lotsen…che spettacolo !!!!

 

Ich liebe es.

 

Zu den Hooligans.

 

Am letzten Freitag fand das Derby Padova – Venezia  statt. Und da Venedig nur 30 Minuten entfernt liegt, kamen viele Fans via Eisenbahn in meine Stadt. Sie kamen an unserem Bahnhof an, unter meinem Balkon sozusagen. Ich war gerade im Begriff, die Wochenendseinkäufe zu tätigen, als ich Sirenen hörte…10 Polizeiwannen kamen aus beiden Richtungen gen Bahnhof, um sich auf den großen Ansturm vorzubereiten. Knüppel aus dem Sack, Hartplastikschild, Helm, Pistole. Dazu standen etwa zehn gelbe Omnibusse bereit, um den Pöbel direkt aus dem Zug steigend abzufangen und zum Stadion zu transportieren. Wir sahen die Busse wippen und hörten den Chor: „Oh Padova, Oh Padova, vai a cagar’“ Oh Padua, geh kacken“.

Anfangs hatte ich noch keine Ahnung, um was es sich handele, hatte sogar Angst, es könnte zu einer aggressiven Demo kommen zwischen Faschisten und Kommunisten, wie doch so oft hier. Am Ende sahen wir auch diesem Spettacolo vom Balkon aus zu.


Entschuldigt die schlechten Fotos, aber ich muss mich – was die Bewegung der Objekte betrifft – noch etwas üben. Das wird schon noch.


Es wäre in der Nacht vielleicht etwas leiser vor unserer Haustür gewesen, wenn Padua nicht mit 1:0 gewonnen hätte, so mussten die Venezianer noch ein bisschen ihren Frust in der benachbarten Stadt rauslassen und uns den Schlaf rauben. Wenn es weiter nichts ist…

 

Freitag, 19. Januar 2007

Prato della Valle

Von Joachim Schmidt, 12:48
Besonders des Nachts zieht dieser Ort seine Besucher in seinen Bann, der Nebel, die Statuen und vor allem die Stille geben diesem Platz seine unanzweifelbare Berechtigung.

Guido und seine Familie

Von Joachim Schmidt, 12:41


So seit letzter Woche lerne ich nicht nur italienisch in der Schule, wenn die Schüler mal kein Wort von meinem Deutsch verstehen und ich umspringen muss und sie dann erst recht nichts verstehen, weil ich italienisch spreche oder vielmehr, ein solches versuche.

Guido ist 60 Jahre alt, hat eine unheimlich süße Familie, und er studiert noch immer Philosphie, Geschichte, Kunst;  und seine Sprache unterrichtet er auch mal. Eigentlich sollten wir uns über das italienische Pendant des Goethe-Instituts treffen, aber da ich der einzige Interessent abgesehen von einer Japanerin, die nach einer Stunde schon die Flinte ins Korn warf, war, bot er mir an, bei sich zu Hause den Unterricht zu machen. Ist billiger und gemütlicher: Es gibt Wein von den euganeischen Hügeln, dazu Schinken (Lonza) aus der Emiglia-Romana und hin und wieder das Geschrei seines fünfzehnmonatealten Knaben namens Stefano, der jetzt schon eine Denkerfalte auf der Stirn zu verzeichnen hat.



Guido ist großartig: nicht nur als Lehrer in allem, was so kommt, sondern auch als Koch. Letzte Woche gab es ein Festessen; gestern war es die normale Hausmannskost, die in Deutschland wohl auch schon als Festessen bezeichnet werden würde.

Ich freu mich schon auf Montag. Muss eine Geschichte von Italo Svevo für ihn lesen, eine Zusammenfassung schreiben und dann drüber sprechen.



Heute treffe ich dagegen Francesca, mit der ich Tandem mache, ist aber nicht so trocken, wie es klingt. Meistens zeigt sie mir coole Cafès der Stadt.
Ja, ich bin mitten im Italienisch-Studium. Livius, Horaz und all die Kacker liegen weit hinter mir. Zu weit? Nö. Die paar hundert Kilometer nach Freiburg eben.

Montag, 15. Januar 2007

"Manche Vogelarten haben auf ihren Flug in wärmere Regionen verzichtet, wie eine dpa-Umfrage ergab"

Von Joachim Schmidt, 22:11
Das hab ich vom "teutonic spectator" kopiert (der es aus der "Kölnische[n] Rundschau" hat), ein Blog, den ich gerne hin und wieder lese, zumal mein Freund Felix daran mitarbeitet ab und an.
Ich finde es eine sehr gute Idee, diesen Satz als solchen stehen zu lassen, auch wenn ich das nicht so schön schaffe wie Hannes.

Deswegen die Empfehlung an alle:

                                www.teutonicspectator.com


Ein Sonntag im Veneto...endlich Fotos.

Von Joachim Schmidt, 16:08
Der Veneto hat durchaus Schönheiten aufzuweisen, etwas versteckt, so etwa wie Brandenburg, das nicht unbedingt sofort durch seine funkelnde Bellezza auffällt, aber wenn man genauer hinguckt, so entdeckte es auch schon Fontane, gibt es der hübschen Ecken viele. Hier ein paar Fotos, die ich gestern bei einem Spaziergang gemacht habe.



Cattedrale St. Antonio



Brücke in Chioggia



Chioggia (Die kleine Schwester Venedigs)















ein paar mehr Fotos fändet ihr bei Flickr.com unter meinem Namen jauchi

Samstag, 06. Januar 2007

50 – 100 Millionen € fürs Gruscheln !

Von Joachim Schmidt, 17:33

Ach liebe Freunde!!!

Das seid ihr doch, oder? Zumindest habe ich Euch alle in meiner Freundschaftsliste im StudiVZ gefunden und damit basta! Mehr braucht es nicht mehr….Oder?

Tatsächlich, mehr brauchte es nicht mehr für einen gewissen Herrn Dariani, um mit seinen 26 Jahren und zwei Freunden eine Stange Geld zu verdienen.

Er folgte lediglich einer Bewegung unserer Zeit und nutzte ebendiese für sich aus:

Einsam vorm Computer sitzen und dennoch nach Freunden heischen wollen!

Die Sehnsucht nach Anerkennung und Selbstdarstellung wird durch das Internet

extrem gefördert. Niemand geht gerne zu zweit ins Internet. Soziale Kontakte möchte man dennoch aufrecht erhalten!

Eine Art der Selbstdarstellung lesen wir direkt hier zwischen diesen Zeilen: Der Blog! Aber noch viel kompakter und kindgerechter (noch besser: Marktgerechter) ist der Steckbrief im StudiVZ. Man stellt sich vor, man liest andere „Persönlichkeiten", man prostituiert sich (seit ein paar Tagen offiziell) für den Markt. Durch derartige Abkommen wie den zwischen Dariani und dem Verlag Holtzbrinck wurde also StudiVZ an den Markt verkauft, der dann mit all den Informationen der Millionen von Studenten eine detailliert definierte Zielgruppe gefunden hat und diese dann auch noch zu Werbezwecken anschreiben darf. Jede Interessengruppe ist so etwas wie ein Mikromarktsegment, die Marktforschung kann beliebig die Konsumvorlieben der User untersuchen und ihnen dann die neuen Produkte online sogar vorschlagen.

„Die Holtzbrinck hat nicht nur ein soziales Portal gekauft sondern eine ganze Generation zukünftiger Konsumenten" (Süddeutsche Zeitung, 5.1.2007)

Das Gruppengruscheln hat ein Ende.

Selbst das Wort „Gruscheln" wurde von Geldgeier-Schlaumeier Dariani patentiert

und geht - wer weiß ? - bald in den DUDEN ein.

Ist auch echt okay jetzt. Mich begann es zu nerven, in meinem Emaileingang weniger tatsächliche Emails erhalten zu haben als Nachrichten vom StudiVZ, dass ich doch noch mal nachgucken gehen sollte, wer mir geschrieben hat.

Natürlich hat es Spaß gemacht, die Leute zu gruscheln (Besonders wenn man der Gruppe beitrat „Wen ich gruschel will ich bumsen"), seinen eigenen Steckbrief zu lesen und die etwas größer gewordene Pinwand zu bestaunen…

Aber Gruschelbumsen kann ich nun mal nur im Netz.

Es gibt da eine Simpsonfolge, in der Marge die Itchy-and-Scratchy-Show derart weichzeichnet und verharmlost, dass die Kinder freiwillig und augenreibend das Haus verlassen und Drachensteigen lassen, schaukeln, Murmeln spielen und so weiter. Frische Luft, reale Kontakte.

Bin ja schliesslich nicht der erste, der auf dem Internet diesbezüglich rumhackt, im Gegenteil. Und ich liebe es ja auch zu surfen, zu chatten, zu schreiben, mich darzustellen, andere Persönlichkeiten zu lesen, aber jetzt muss ich erstmal raus. Ich gehe jetzt raus und treffe mich ...mit keinen Freunden.

Aber kein Problem. Wie man Freunde macht, weiß ich ja jetzt. Suchen und anklicken. Das krieg ich noch hin. Und wenn ich mich dann vorstellen will, gebe ich ihnen meine Blog-Adresse.

Das wahre Leben. Hauptsache kein StudiVZ.

Donnerstag, 04. Januar 2007

Empfehlungsschreiben an einen Döner !!!

Von Joachim Schmidt, 11:03
Ach wie gut das tat, in dirty old town Berlin wieder sein Unwesen treiben zu können.
Und Kulinarisch hab ich mich auch mal wieder umgesehen:
Geile Stadt.

Curry 36 ist wohl der neue Hit. (Gneisenauer Str/Mehringdamm) Erstaunlich große Schlange um zwei Uhr nachts, preislich durchaus wettbewerbsfähig (1,40 für ne Curry ohne Darm), ist zwar gut, kann aber keinem Döner jemals gewachsen sein.
Da hab ich gleich eine Rakkommandation schriftlich zu verkünden:
Der in der Friedrich-Ebert-Str. in Potsdam Mitte hat durchaus Qualitäten. Das Preisleistungverhältnis stimmt: 2,30 für wirklich dicke,  frisch-knusprige Scheiben vom Dönertier in liebevoll mit Wahlsoße bestrichenen Fladenbrotviertel und frischkühlem Salat komplett. Ich fragte als Neuling meine Leute, was ich nehmen sollte: Die Antwort war unisono: Chicken-Döner mit Currysoße. Strange, dachte ich mir, da ich normal auf Knoblauch-Scharf (oder gar komplett) nicht verzichten will, aber ick dachte mir, Joachim, dacht' ick mir, dit probierste ma', man weiß ja nie.

Und tatsächlich: Ich wusste nicht, wie gut das schmecken kann. Den hätte ich selbst nach dem größten Festmahl und dem vollsten Bauch noch mit Vergnügen und von Speichel nicht nur mehr angefeuchtetem Mundinneren verzehrt.

Oh Du schöne Weihnachtszeit !!!

Dienstag, 02. Januar 2007

Blog italiano

Von Joachim Schmidt, 13:14
Per quanto riguarda le lezioni italiane possono mettere a disposizione per gli interessati il mio blog italiano, nel quale non c'è nient'altro che la stessa cosa, gli stessi articolli, per lo più, solo tradutto in un italiano schifoso...
Io ritengo questo blog un esercizio per il miglioramento della lingua straniera. Ma potrebbe essere che qualcuno non capisca tedesco ma italiano e gli aiuterebbe sicuramente questo sito a ficcare il naso nelle mie faccende... www.jauchi.wordpress.com



Definitivamente il blog tedesco rimane il più complesso e il miglio trattato in quanto è la lingua madre.

Sonntag, 24. Dezember 2006

Fest !!!

Von Joachim Schmidt, 13:02
Frohes Fest, liebe Freunde, haut rein, fresst euch voll, wenn ihr gerade keinen Virus habt und essen könnt. Liebt Euch alle, so wie ihr Euch selbst liebt.

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Dottore, Dottore, Dottore che furbo che fu!!! Vaffancu’!!! Vaffancu’!!!

Von Joachim Schmidt, 19:57

Nun darf man mir endlich mit Beweis Humorlosigkeit, deutsche Seriosität und trockene Lebensverdrossenheit vorwerfen.

Ich wohne nun seit drei Monaten in dieser seltsamen Stadt namens Padua; und seit meiner Ankunft hat sich vieles in meinem Alltagleben geändert, viele Dinge erneuerten und deformierten sich, zum Beispiel mein Bauch, der durch Pasta und Wein und viel zu wenig Bewegung…aber auch das Wetter schlug nun endlich um. Was noch? Ja, meine Haare wuchsen, mein Italienisch verbesserte sich, meine Einkaufsgewohnheiten veränderten sich zum Bessern, das heißt, ich gehe nun immer öfter gemütlich zum Markt im Zentrum und kaufe der guten und frischen Speisen viele:

So zum Beispiel Käse, Oliven und Gemüse, frisches Fleisch, auch Fisch und den Wein aus den naheliegenden Euganeischen Hügeln. Dafür braucht man natürlich Zeit und Gemütlichkeit. Die nehme ich mir am Freitag und Samstag und dann habe ich für Sonntag alles, was ich brauche, um dann gute Speisen für die Woche zu kochen.

Nun, wenn ich also im Zentrum so in Richtung Markt schlendere, komme ich stets am Palazzo Bo’ vorbei, das ist das alte Unigebäude, in dem Galilei einst seine Vorlesungen hielt und in dem erste anatomische Untersuchungen am Menschen vorgenommen wurden. Abgesehen von diesem historischen Hintergrund spielt sich im sozialen Vordergrund eine ganz andere anatomische Schifezza (Abartigkeit) ab: Und davon möchte ich jetzt sprechen.


Seit Oktober, und ich nehme stark an, dass sich dieses Ritual das ganze Jahr durchzieht, stehen hier soeben zum „Dottore" erhobene Studenten auf Bänken und Stühlen und lassen sich von ihren Verwandten und Freunden vor den Augen der Passanten feiern. Traditionell in Italien trägt man dazu natürlich den Loorbeerkranz, aber hier in Padua ist es zudem Brauch, sich noch möglichst ordinär zu kleiden, am besten gar nicht zu kleiden. Das erfreut die Zuschauer natürlich besonders, aber auch die Tatsache, dass die Studenten nun mit Schampus und Wein beschüttet und anschließend mit Mehl bestäubt werden, dürfte ein Grund sein, sich nicht mit dem neuen Anzug zu zeigen. Nachdem die Eier alle auf den Dottore geworfen worden sind, beginnt der intellektuelle Part der Feier. Freunde und Kommilitonen breiten eine große Papierrolle aus, kleben diese an die Universitätsmauern, so dass ein jeder Passant in Ruhe die darauf gemalten Karikaturen bewundern kann: In der Mitte also ein großes Abbild des beloorbeerten Studenten, wenn es ein männlicher Student ist, dann mit dementsprechend männlicher Ausstattung, wenn es ein weiblicher Student ist, so erkennt man auch dieses ohne Weiteres. Kurzum, hier geht es um die größtmöglich obszöne Darstellung der jeweiligen Person. Also alle geistigen Kräfte, die einmal im Gehirn gewesen, befinden sich nun in den Genitalien und sprechen zum Passanten: Dottore che furbo che fu!! Um die Zeichnung herum schrieb man heroisierende Texte und die ein oder andere Hommage über die Universitätszeit.

So hängen also hunderte von solchen Plakaten im Zentrum an den Mauern der Fakultäten und werden langsam vom Regen weggewaschen. Oft versuchte man, seinem Studentenopfer ein prägnantes Merkmal ins Gesicht oder zwischen die Beine zu zeichnen, aber Hinsichtlich der Tatsache, dass die italienische Mode nicht sehr abwechslungsreich ist, ganz zu schweigen von der italienischen Anatomie…muss man sich an den Namen und Texten festhalten, um die Plakate nicht zu verwechseln…obwohl auch das ist schwierig, eine Francesca neben der anderen, dann Marco und Francesco, dann Tomaso und Francesca, die neben einer Francescas hängt. Man sollte nicht versuchen, sich an den Plakaten zu orientieren…

Der glückliche Francesco oder die glückliche Francesca darf dann vor der ganzen Meute diese Texte vorlesen, auch wenn man noch immer vor Eierdotter und Sektschaum trieft.


Ist diese Tortur beendet, kann man sich endlich bewegen, indem man durch die ganze Stadt gescheucht wird: An Ketten, an Fesseln, auf einem Bollerwagen oder einfach zu Fuß läuft man seinem Tross voran und wird besungen:

"Dottore, Dottore, Dottore che furbo che fu!!! Vaffancu’!!! Vaffancu’!!!"

Das könnte man ungefähr so übersetzen (sinn-, silben- und reimgetreu):

Oh Doktor, Oh Doktor, Oh Doktor wie schlau er doch war!!! Kannst uns ma’ !!! Kannst uns ma’ !!!

Ja, das ist es. Nicht, dass sie mal etwas anderes singen…das singen seit Oktober, falsch, das höre ich seit Oktober, wer weiß, seit wie viel Jahrzehnten, Jahrhunderten sie das schon singen.

Jetzt ist man frei und klug und hat eine Aussicht auf einen vielversprechenden und einnehmenden Beruf. Wenn da nicht die anderen wären, die da folgen von Tag zu Tag….vaffancu’…

 

Ich eile um Markt und freue mich auf den Käse und die Oliven.

 

Mittwoch, 13. Dezember 2006

Warum Hotel James Joyce ??

Von Joachim Schmidt, 11:52

Am Wochenende war ich in Triest und kann diese Stadt einem jeden empfehlen,der von der üblichen italienischen Städte etwas müde ist…sie ist frisch anders und verbindet einen k.u.k-Touch durch die glänzenden Kaffees und durch die breiten Plaetze schallende Walzermusik in der nach Salzwasser riechenden Luft mit der Atmosphäre einer südlichen Hafenstadt.

Ignorant, wie ich nun einmal bin, laufe ich durch die engen Gassen des Hafenviertels und treffe auf ein Italo Svevo Hotel und auch auf das Hotel James Joyce, trete ein und frage: Warum Hotel James Joyce ?

Eine Frage, die mir bei Günter Jauch womöglich 500000 Euro beschert hätte. Ganze 21 Jahre lebte der irische Schriftsteller in der kleinen Hafenstadt an der Grenze zu Slowenien und Kroatien. Bekannt wurde er durch häufiges Wohnungswechseln innerhalb des Zentrums aufgrund der Unfähigkeit zu zahlen. Dass sich das nicht rumgesprochen hat??? Bis zu mir? Ich Ignorant…Aber gut, jetzt weiß ich es und möchte zu Günter Jauch. Sicher? Ja, sicher. Einloggen? Einloggen.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Professore !!!

Von Joachim Schmidt, 19:12

Ich muss mal eine Sache feststellen: Es ist wirklich eine ungemeine Befriedigung , von den Schülern mit „Professore" angesprochen zu werden. Auch die Sekretärinnen (nicht hässliche) behandeln einen mit derartigem Respekte, dass ich aufpassen muss, nicht laut loszulachen.

Oder wenn ich in die Klasse komme und alle Schüler wie an Marionettenfäden aufspringen und warten, bis ich Platz genommen habe und ihnen ein Zeichen zum Hinsetzen gegeben habe, ich muss da immer auf meine Backen beißen (die im Gesicht, versteht sich) und wegsehen, denn mal im Ernst, womit habe ich das verdient? Mit dem Besäufnis in der MudomBar? Mit dem Gitarrenspiel in Perugia? Mit der 4- im Lateinleistungskurs???? Ich weiß es nicht und nehme lieber die 16000 € mit nach Hause.

Samstag, 09. Dezember 2006

Wenn alles streikt...

Von Joachim Schmidt, 19:14

Diese Woche begann an einem Sonntag, als es nicht nur auf den Straßen ruhig war, sondern vor allem auch in unserer Wohnung…aber wie einem nur selten etwas auffällt, das nicht existiert, wie man beim Elfmeter selten auf den Torwart guckt (siehe P.H.), so bemerkte ich die Stille zuerst nicht, machte mir meinen Kaffee wie gewöhnlich. Obwohl, Stopp, zurückspulen. Ich rekelte mich, nahm eine Dusche und entschloss mich dann, zu McDonalds zu gehen, um mir einen café americano zu gönnen, also einen ganz stinknormalen Kaffee der gehoben Sorte, einen richtigen deutschen Kaffee, der hier amerikanisch genannt wird, Ignorantenpack, ma va bene, ich gehe zu Mackes und muss dafür durch den Bahnhof vor meiner Haustür. Wie praktisch am Bahnhof zu wohnen. Der Mackes kann nicht weit sein. (McDonalds frequentiere ich wirklich nur für einen Kaffee, denn Durchfall hab ich eh schon und brauch dafür keinen fettigen Burger mit Fingerprints und Fliegenpaste. Auf dem Weg zu meinem Kaffee also stellte ich die Ruhe fest: Massenhaft Leute, die da standen und warteten und warteten; kein Zug jedoch, der fuhr. Angekündigt schon seit langem und deswegen schon wieder vergessen: der Streik der Bahn. Gesegnet sei der Streik und der dadurch stillgelegte Bahnhof und Sonntag.

 

Dieses war der erste Streik,         doch der nächste folgt sogleik.

 

Am Montag streikten die Busse, was ich allerdings nur in den Zeitungen las und nichts sonst von mitbekam.

 

Am Mittwoch dagegen kam ich in die Schule und sah sofort ein Transparent an dem Eingang hängen:

Minae non faciunt ius. Drohungen sind nicht richtig, so ungefähr. Macht kein Sinn, denn Drohungen wurden nicht ausgesprochen, zumindest von der Schulleitung nicht, gegen die hier gestreikt wurde. Worum ging es? Schüler des Gymnasiums standen vor dem Eingang, um gegen die Missstände der Raumverteilung zu protestieren…Denn ein paar Oberstufler müssen seit einigen Monaten für den Unterricht in eine andere Schule gehen, weil es keinen Platz gibt. Man baut gerade an Containern und provisorischen Unterrichtsräumen. Von Missständen kann also keine Rede sein, hinsichtlich der Tatsache, das man im Süden desselben Landes wie in Kalabrien oder Apulien Kinosäle benutzt, nicht um medienaktiven Unterricht zu halten, sondern lediglich um Platz für die Klassen haben.

Wie auch immer, es wurde gestreikt, und ein Junge mit tarngrünem Parker mit Deutschlandflagge stellte sich subito in den Vordergrund und hielt ein Grammophon vor seinen Mund und schrie…auch wenn bis dato nur so etwa 30 Leute vor ihm standen. Das sollte sich allerdings ändern, als es zur großen Pause klingelte und alle Schüler an der Demo vorbeilaufen mussten und sie die Demo mit Begeisterung beobachteten. Wie das so ist, bleibt man dabei, egal, ob man überzeugt ist oder nicht, denn wann kriegt man schon mal eine Gelegenheit, den Unterricht auf diese Art zu schwänzen. Da meine Schulzeit nun auch nicht allzu weit weg liegt, versuchte ich gar nicht erst lange, die Leute reinzuholen, denn ich hatte ja selbst Spaß dabei, dem Wannabekommunisten-revolutionär mit Parker beim Armefuchteln zuzusehen und zuzuhören.

 

Dieses war der dritte Streik,       doch der nächste folgt zugleik.

 

Es ist das Internet. Dieser Frechdachs von einem W-Lan-Anschluss-Besitzer glaubt einfach, sein Netz abzusichern, so dass keine armen Studenten mehr rankönnen.

 

Felix, mein französischer Mitbewohner lief in den letzten Tagen ziemlich nervös und verzweifelt mit seinem Apple durch die Wohnung, um ein Fünklein Netz zu erhaschen. Vergebens, tatsächlich derart vergebens, dass er sich einen ganzen Tag in seinem Zimmer einschloss und an einem Brief schrieb, ohne zu essen, ohne zu trinken.

Hin und wieder hörte ich einen undefinierbaren Aufschrei, dann lange nichts mehr. Spät in der Nacht kam er aus seinem Zimmer und rannte zu Drucker in der Küche, druckte ein Papier und zeigte mir also schließlich stolz einen Aufruf an alle Nachbarn und Bewohner des Mietshauses, das Netz wieder freizugeben…wir würden auch zahlen und so weiter. Seine Mundwinkel zuckten, als er meine Meinung über den Brief anhörte, so gespannt war er. Der Brief war derart ausgearbeitet, dass ich keine Einwände aussprechen konnte. So verteilten wir also gemeinsam die ordentlich in Umschläge eingetüteten Brie in der Nachbarschaft. Seit diesem Tag (vorgestern) hält sich Felix erstaunlich oft in der Nähe des Briefkastens auf, nur zum Essen verlässt er kurz sein Versteck in der Nähe des Eingangs, kommt schnell zurück und wacht weiter…

 

 

Ich dagegen beobachte wie er beobachtet. Ich sitz ziemlich auf dem trockenen und muss mal zusehen, wie ich das so mache, um am Leben zu bleiben.

Interntcafes sind nicht gerade leicht zufinden. Aber um ehrlich zu sein, bisher hab ich mich noch nicht drum gekümmert…denn jetzt streike ich erst mal und mach nen Mittagschlaf.

 

Dieses war der vierte Streik,        doch der nächste folgt zugleik.

 

Die Sonne. Ja, im Land er Sonne regnet es seit vier Tagen ohne Pause. Und wenn in Italien nur ein Tröpfchen vom Himmel fällt, habe ich schon Probleme, durch die Straßen zu gehen, weil alle beschissenen Regenschirme in meiner Augenhöhe rumgefuchtelt werden. Und Regenschrime…Italiener sind besessene Regenschirmbenutzer. Ich hasse sie dafür. Nein, ich verachte sie und rümpfe die Nase, reibe mir das Auge, weil ich gerade von einem Regenschirm getroffen wurde.

 

Freitag, 01. Dezember 2006

Scheiße Weihnachten...

Von Joachim Schmidt, 00:28

Und schon wieder die üblichen Gedanken über die Weihnachtshetze. Aber hey, es muss diesmal sein:

Natürlich gibt es Menschen, die mächtig was um die Ohren haben. Ja es gibt Leute, die so richtig was um die Ohren haben. Diese Gruppe, die so  richtig was um die Ohren hat, trägt in sich wiederum zwei Gruppen. Die eine ist gefüllt mit denjenigen, die zwar von ihren Geschäften durchaus wissen, sich ihrer Hektik und alledem bewusst sind, manchmal aber etwas durchatmen und sagen, puh, jetzt eine heiße Badewanne wäre nicht schlecht, aber naja, die kann ich mir jetzt zeitlich nicht leisten. Und deswegen geht diese Person dann wieder zielstrebig aber unauffällig und in sich ruhend zurück zum Arbeitsplatz.

Dann gibt es die andere Gruppe, die auch unheimlich viel arbeiten muss, ja , muss, die sich ihrer Hektik auch bewusst ist und mit Sicherheit genauso gerne auch ein heißes Bad einlassen würden, denn das wäre sicherlich nicht schlecht, aber naja, die können sich das eben zeitlich auch nicht leisten. Bisher noch kein auffallender Unterschied zwischen den beiden Gruppen, stimmts?

Wenn es also um sie selber geht, dann tun sie sich keine Gefallen, kein Schaumbad mit Klassikmusik in der Woche, kein Kerzenduft. Aber was, wenn es um die lieben Verwandten und Bekannten geht? Was, wenn die auch mal nach etwas Gunst fragen.  Wie geht man denn damit um, wenn es schon an Zeit mangelt für einen selbst? An Zuneigung einsparen? Nur noch zweimal im Monat anrufen anstatt wöchentlich?

Als Wochenendgruß eine Kopie von der Email der besten Freundin, die sie gestern an einen selbst schickte, weiterleiten? Genau zu dem Zeitpunkt bei ihnen vor der Tür stehen, wenn man genau weiß, dass sie keine Zeit haben und dich innerhalb von 5 Minuten wegschicken werden, vertröstend auf ein baldiges nächstes Mal? Oder in der übelsten Situation, in der übelsten Jahreszeit: Weihnachten!!!


Einfach so tun, als ob man die ganzen Christbaumkugeln nicht sähe, die Verziehrungen in den Läden, auf den Straßen. Der von dem Freund geschenkte Adventskalender wird schnell in die Wohlfühlecke gestellt, dahin, wo man sich am wenigsten aufhält, damit man die einzelnen und sich rasch vermehrenden geöffneten Türchen nicht wahrnimmt (die der Freund dann enttäuscht selbst aufmacht und einem dann den Inhalt reicht, der dann schnell zwischen Politik- und Wirtschaftseite und dem Kaffee runtergeschluckt wird.

Adventskalendertürchen, die einem bewusst machen, dass man möglichst schnell all die Geschenke kaufen muss. Wann am besten? Nicht Samstag, denn dann steht man ewig im Stau und an der Kasse und verliert Zeit. Freitag Abend auch nicht. Bleibt nur der Freitag Nachmittag übrig, den man dem Chef für zwei Stunden abschwatzt. Von der Menschenmenge her ist er noch einigermaßen akzeptabel. Also den Fil-e-fex schon am Morgen in der U-Bahn aus der Tasche gezückt, nachgeschlagen, welche Ideen sich innerhalb des Jahres irgendwo mal angesammelt haben und sogar aufgeschrieben wurden…nicht viel, bei dem Bruder zum Beispiel gar nichts. Also schnell das Handy gezückt, gar nicht groß überlegt, ob einem nicht selbst etwas einfällt, eine Idee, etwas gemeinsam zu machen, ein Beweis der Zuneigung. Das sind die paar Euros schon, wenn man sie in das Geschenk investiert hat. Was sind schon Beweise. Man hat sich den Freitag Nachmittag doch schon freigenommen UND dann kauft man doch auch noch ein Geschenk.

Man DENKT also aneinander, oder etwa nicht? Also Handy gezückt, denn so eine Gelegenheit wie Freitagnachmittag frei zu haben kommt so schnell nicht wieder, vor Weihnachten auf kein Fall, da blüht das Geschäft nur so. Handy gezückt und schnell gesimst: „Was wünschst Du Dir zu Weihnachten? Sags mir jetzt, denn ich gehe jetzt in die Stadt.“ Gruß fehlt, Name fehlt (den muss man sich durch die Handynummer herleiten), Herz fehlt. Nein, nein, zu drastisch. Aber da fehlt doch etwas, oder etwa nicht?

Im Grunde war ich nie ein Prinzipienreiter und ich will auch immer Verständnis für die Handlungen anderer zeigen. Und vor meiner Tür will ich auch kehren. Auch ich gehe kurz vor Weihnachten einkaufen und folge dem Prinzip des kleinsten Widerstandes, frage, was man sich wünscht und kaufe es dann dementsprechend. Ich hab es dann auch eilig und verfalle in den unlieben Kaufzwang, Rausch, Drang. Das alles und noch vielmehr…Aber ich glaube nicht, und das ist der kleine aber feine Unterschied, dass ich meine Hektik und meine Unlust an der Sache oder meine ach so knappe und wertvolle Zeit so ostentativ in einer SMS preisgeben würde. Das ist Verrat an der Sache. Wenn wir nicht schon mit ganzem Herzen  bei der Sache sind, dann müssen wir doch wenigstens so tun als ob. Ansonsten feiern wir Weihnachten in Zukunft vorm Computer, im Internet, das geht schneller und man muss sich nicht einmal bewegen. Die Gans aus der Mikrowelle, die Weihnachtsdekoration von einem Service bestellen und aufbauen lassen, wenn man sie schon haben muss. Oder noch besser, nachdem man alle Geschenke besorgt hat, haut man einfach ab.

Ich will nicht die alte Leier aufziehen, von wegen Weihnachten ist Kommerz und nichts weiter. Es ist definitiv mehr, definitiv. Für jeden ist es etwas anderes mehr. Wenn ich solche Beispiele wie oben betrachte, sehe ich auch, wie sehr das Verständnis von Weihnachten auseinanderdriftet.

Samstag, 25. November 2006

Und das Blut zirkuliert...

Von Joachim Schmidt, 18:40

Gestern beim Joggen ist mir etwas „völlig normales“ passiert. Völlig normal für die Zeitungen und Lokalnachrichten Paduas, aber nicht einmal normal für einen Großstädter, der schon viele Jahre in einer Weltmetropole lebte, so etwas aber nie zu Gesicht bekommen hat, weil die dafür aufgesuchten Orte viel zu versteckt sind.


 


Hier sind sie zwar auch sehr versteckt, aber da Padua klein ist, kann es leider vorkommen, dass man ihnen begegnet.

So auch ich, der als joggender Einwohner dieser Stadt meine Runde machte.

Erstmal schön durch den Bahnhof, dann am Busbahnhof, an dem modernen Unikomplex der Naturwissenschaftlichen Fakultät vorbei und schließlich kommt man zum Kanal, zum Kanalnetz, kleine Brücken, einige Straßen überqueren diese noch. An diesen Straßenecken, zwischen Brücke und Kanal stehen Leute und tun so, als würden sie warten. Nun ja, sie warten auch, auf Kundschaft nämlich. Die „spacciatori“ dieser Stadt befinden sich entweder direkt am Bahnhof, also an meiner Hauseingangstür und schmeißen wie rein zufällig den vorbeifahrenden Mercedeslimousinen mit zufällig geöffneter Fensterscheibe ein in Zeitungspapier eingewickeltes Paket rein, oder sie warten eben an dieser Brücke und geben den Junkies das, was diese sich dann subito in die Venen schießen.

Wo? Am Kanal, da, wo de Straße nicht mehr lang führt, aber noch ein kleiner Weg, den sich auch klein Joachim zum Joggen ausgesucht hat. Schon seit zwei Monaten lauf ich da lang, aber erst bei den letzten zwei Malen ist mir der Vertickplatz und der Konsumplatz aufgefallen. Also zweiterer ist kein Platz, sondern direkt der Weg. Und dieser ist so schmal, dass ich einen Meter an den sogenannten „Toxicodipendenti“ oder „drogati“ vorbeilaufe. Natürlich ist das für beide Seiten sehr unangenehm. Für mich, weil ich ne Gänsehaut kriege, wenn ich die präparierten Nadeln, die festgebundenen Oberarme oder die hochgekrempelten Hosenbeine sehe, die nervösen Blicke, die zittrigen Hände, einen Augenblick der Genüsslichkeit. Für die anderen unangenehm, weil sie in der Vorfreude und dem Ritual womöglich gestört sind, die notwendige Einsamkeit und Ruhe nicht fanden. Wie ein coitus interruptus, für die von euch, die ein lebhaftes Beispiel brauchen.


Für mich sind es nur zwei Sekunden, die ich daran Teil habe, aber sie sind so einprägsam und erschütternd, dass man noch Tage daran denken muss. Die Spitze Nadel, noch frisch, wird bald eine von den dreißig anderen sein, die da so verstreut auf dem Boden liegen.  Und während ich den Kanal weiterlaufe, an gutbürgerlichen Häuserreihen vorbei, frische Luft einatmend mein Blut in den Ohren pulsieren höre, zirkuliert zeitgleich ein liquides Rauschgift - nur 100 Meter hinter mir - in dem Körper eines Menschen, der sich womöglich aufgegeben hat oder haben wird.

Freitag, 24. November 2006

Lieber Besucher dieser Seite,

Von Joachim Schmidt, 11:46
es gibt immer etwas zu tun.
Rechts an der Seite z. Bsp. könnt ihr zwischen den diversen Rubriken wählen und müsst somit nicht alles überfliegen, was Euch nicht interessiert. Ich empfehle Euch vorerst "Allgemeines" anzuklicken.

Oder nehmt das Kreuz ganz rechts oben, das ist auich empfehlenswert...(gilt nur für Windows-Benutzer)

Prato della valle - Padova dall' altra parte di vista

Von Joachim Schmidt, 10:52

Mittwoch, 15. November 2006

5 Minuten Pause

Von Joachim Schmidt, 23:32

Es war kein langer Aussetzer, es galt nur 5 Minuten zu überstehen.

Er hatte sich auf anderes eingestellt, aber jetzt musste er sich beherrschen und wieder zu sich kommen. Verschwommen und leise erschien ihm die Umgebung, obwohl sie doch eigentlich so laut und voller Menschen war.

Er setzte sich, das war auch das einzige, was ihm blieb.

Er döste und die einzige Frage, die ihm noch in den Kopf kam, war, ob er das verdient hätte. Aber nicht einmal das kam aus seinem bewusstlosen Kopf, es war eher ein leises Warum? Und warum? Warum?

Er hatte dazu nichts zu antworten. Es war sein Unglück. Das war es. Und er konnte es nicht wahrnehmen, nur Warum. Die Trauer biss ihm in die Kehle. Zwischen seinen Ohren bestand unvorbereitete Leere. Seine Fingerspitzen juckten. Oder bildete er sich das bloß ein. Der Asphalt der Straße hatte Risse, die durch glätteren Asphalt geflickt worden waren. Er verfolgte die dunklen Linien bis zum anderen Bürgersteig. Mal trennten sich die Linien, mal kamen sie wieder zusammen. Wie gezeichnete Landkarten, Oder wie eine mit Kreide aufgezeichnete Leiche.

Atmen und Atmen. Und nicht denken. Lass die Finger in Ruhe. Lass es über Dich kommen. Fühl Dich scheiße, verdammt. Nimm es hin. Und selten wird ein Flugzeug ohne Grund vom Himmel geholt. Selten hat irgendjemand etwas zu deinem Scheiß zu sagen. Du allein bist da und was der Rest denkt oder vielmehr nicht denkt, nicht mitfühlt, nicht verkraftet, nicht bemitleidet: All das geht Dich nun mal einen Scheißdreck an. So wie sie Dir einen Scheißdreck, neee, so wie Du sie einen Scheißdreck angehst.

DU BIST ALLEIN. Und Du musst jetzt damit auch allein klarkommen, so wie Du auch vorher das Glück für Dich allein in Anspruch genommen hast. So ist es doch, oder?

Also beschwer Dich nicht. Das ist Dein Leben und es betrifft niemanden so sehr wie Dich. Und wenn DU Dich jetzt kaputt machst, dann ist das für Dich und für niemanden anderen ein Problem. Begreif das endlich!!! Und was hast Du schon für ein Problem? Ist das wirklich eins? Und ist es so schwerwiegend, dass Du damit nicht zurecht kommen wirst? Du bist ein feiger Hund, eine schwache Sau.

Ja, das bist Du und deswegen stehst Du jetzt auf und gehst wieder hin.

Ja, das machst Du. Okay, mach das. Ja, 5 Minuten noch sitzen, aber dann.

 

Warum der Papst leben muss...

Von Joachim Schmidt, 23:28

Robert Küppers schaute von der Straße zu seiner Uhr, von seiner Uhr auf die Straße, die hinter den großen Säulen des Petersplatzes einer weite Kurve macht. Hinter dieser Kurve steht alles für Robert Küppers, die Erleichterung, die Sicherheit, der Grund zu leben. Er wird geschubst. Robert Küppers entschuldigt sich bei den ebenso aufgeregten, mit Turnschuhen immer sportlich aussehenden, wenn auch noch so fetten Amerikanern, die aus ihren Plastikrucksäcken ihre unheimlich praktischen Ein-Weg-Kameras zücken und sich kaugummilang unterhalten. Robert Küppers überprüft, ob auch er alles parat hat, obwohl er es schon mindestens fünfmal in seinen Hosentaschen abgefühlt hatte: Fotoapparat rechts, Bibel links. Aus allen Seiten kommen noch mehr Leute angerannt. Ein Raunen geht durch die Menschenmenge, dem eine große Schubwelle folgt. Robert Küppers stolpert, fasst aber gleich wieder Fuß und stellt sich auf die Zehenspitzen, um über all die Köpfe hinaus einen Blick auf die Straße erheischen zu können. Nichts. Warum also das Raunen der Leute? Ganz einfach. Weil sie zusammen nichts anderes zu Wort bringen können, darum raunen die Leute. Und wenn der Menge etwas gefällt, so raunt sie. Und wenn die Menge irgendetwas stört, so raunt sie. Ein Raunen vieler Menschen, aber es gibt kaum einen unter den vielen, der wirklich den Grund weiß, warum sie raunen. Und man selbst raunt ja auch nicht. Es sind ja immer die anderen, die raunen. Auch wenn jeder einzelne nicht raunt, so raunt die ganze Menge; gemeinsam sind wir etwas, was? Auch wenn man selbst nichts tut, ich bin ein Teil vom Ganzen, ein Wassermolekül im mächtigen Meer. Nur schade, dass in der Weltpolitik viele Einzelne so viel raunen können, wie sie wollen, die Menge jedoch bleibt still, solange, bis es zu spät ist. Aber so weit denkt der gute Robert nicht, denn sein Magen wird gerade stark von einem fremden Ellbogen eingeengt, so dass der arme, treue Mann laut japsen muss, um Luft zu kriegen. Ein Röcheln, mit dem er vielleicht sogar das allgemeine Raunen unterstützt, das jetzt noch stärker wird. Oder ein Röcheln, das im allgemeinen Raunen untergeht, das jetzt noch stärker wird. Glaube; jetzt kriegt er wieder Luft. Liebe; er schluckt und freut sich an seinem neugefundenen Atem, so wie ein Baby in der Sandkiste sich an der wiedergefundenen Schippe freut, zuvor besorgt und unruhig; es wird sich gedacht haben: „Wie kommst Du darauf, mir die Schippe wegzunehmen? Bist Du wahnsinnig? Das ist mein Eigentum!“ Beim Wiederfinden dann ruhig oder vielmehr beruhigt, doch es ist keine Freude direkt zu sehen, nur ein kleiner vorwurfsvoller Blick. An wen der gerichtet ist und was die Bedeutung dieses Blickes sein soll, ist klar: Das Baby stellt beim Wiederfinden seine eigene Dummheit fest und ärgert sich, jemand anderen beschuldigt zu haben und obendrein einen Gehilfen gesucht zu haben und ist nun ruhig oder vielmehr beruhigt, darüber, dass da niemand anderes war, niemand nahm die Schippe weg und niemand hätte das Baby vor dem Bösen beschützen können; die Schippe ist ja nur unter einen Sandhügel geraten.  Jetzt, wo das Baby sie wiedergefunden hat und sich sicher fühlt, ist da auch niemand mehr, weder ein Böser noch ein Guter. Das Baby hat aus Angst vor dem Verlust der Schippe was Gutes und was Böses als Ursache seines Elends kreiert. Na, Gott sei Dank ist die Schippe ja wieder da und auch die Luft Robert Küppers.

Nun versucht Robert Küppers, mit seiner großen, deutschen Nase noch mehr Luft einzufangen, indem er sie über die Köpfe der kleinwüchsigen Italiener hält und schnuppert. Hoffnung; und tatsächlich: Blaulicht! Jetzt sieht er es auch. Japaner beginnen zu kreischen, einige Mädels halten die Hände vor den Mund, um ihre Freude und Aufregung nicht zu zeigen. Wie schade. Sitten, die Robert Küppers gar nicht auffallen, da er soeben sein erstes Foto gemacht hat. Der Blitz hat aber nicht funktioniert. Er betrachtet seine Kamera und drückt verschiedene Knöpfe, während sich die Menge jetzt gegen die Absperrungen drückt. Wie ein Feuerwerk beginnen die Blitzlichter den hinter den Säulen erscheinenden weißen, hinter Polizeiautos versteckten Mercedes Extraklasse zu beleuchten, Jubelgeschrei, Gekreisch, Freudenrufe. Robert Küppers schreit nicht, er bemüht sich vielmehr, so schnell wie möglich ein Foto nach dem nächsten zu schießen, allerdings funktioniert das nicht so einfach, da der Blitz vorbereitet werden muss, und das dauert seine Zeit. Er wird nervös. Und dann all diese Arme und Kameras in der Luft. Wie soll er das noch ein anständiges Foto von dem Sondermodell machen? Und jetzt wird er noch mal von diesen Amis gerempelt. Er drängt sich zwischen den herunterrinnenden Schweißperlen ein Lächeln auf. Er steht ganz und gar unter Druck. Vor wem nur? Vor seiner Familie und den Freunden, die ihn um dieses Erlebnis beneiden werden? Geht es hier nur um Eindruck schinden? Will Robert jedem zeigen was für ein guter Christ er ist, indem er die vielen Arme und Kameras, die Polizeikarawane die Extraklasse und nicht mal den Papst selbst einrahmt und an die Wand im Wohnzimmer hängt und dann in Zukunft besonders oft Menschen zum Abendbrot einlädt?

Der Autokonvoi ist auf den Platz gelangt und wird nun zum Gebäudekomplex fahrend immer kleiner. Robert Küppers schaut auf den Bildschirm seiner Digitalkamera, die er sich fast extra für den Rom- und Vatikanbesuch gekauft hatte, kann aber nichts erkennen und beginnt zu schwitzen. Es juckt ihn im Kragen, am Bauch, am Rücken. Es ist vorbei. Es ist vorbei, die Arme senken sich und die Leute gehen, mit einem Lächeln, mit Zufriedenheit in den Gesichtern, die Robert Küppers doch so sehr ersehnte. Er wird nun von einem jungen Mann von circa zwanzig Jahren angesprochen: „Scusi, ma questo è stato il Papa, giusto?“ „Eh, wie bitte?“ Es juckt ihn immer noch an der Brust. Der Junge mit seiner kleinen Brille und legerem Outfit lächelt ihn an: „Ach sie sprechen deutsch, ja, das wusste ich nicht.“ Kurze Pause, man blickt sich an und Robert Küppers hört dann auch auf zu kratzen, es lässt nach. „Ja, Deutscher bin ich,“ sagt er seine Kamera ausschaltend und in die Hosentasche steckend, in die rechte, denn in der linken – verdammt, er hatte die Bibel vergessen! „Ist das der Papst gewesen? Kam er gerade aus dem Krankenhaus?“ Robert Küppers war verwirrt: „Ja, Papst, Krankenhaus, ist jetzt zurückgekommen. Haben Sie denn nicht ferngesehen?“ „Doch“, sagte der Junge, „aber das ist jetzt schon länger her. Danke trotzdem.“ Und so lief er pfeifend seines Weges. Robert Küppers dagegen fühlte sich gar nicht erleichterter, sicherer oder hoffnungsvoller als zuvor. So glaubt er zumindest und läuft in Richtung Engelsburg davon.

 

 

 

Ich hau ab!

Von Joachim Schmidt, 23:26

Ich traf gestern ein Mädchen.

Sie war wunderschön. Als sie sich dann noch zu mir umdrehte und mich tatsächlich ansah, konnte ich diese Schönheit kaum begreifen. Ich tat so, als würde ich gerade meinem Freund zuhören, der redete ja schließlich auch. Ich nickte, lächelte versonnen, gestikulierte vielsagend – mit Sicherheit übertrieben. Aber sie schaute mich weiterhin an. Sie schaute mir tief in die Augen, durch den gesamten Raum, an all den Leuten vorbei, direkt zu mir. Ich wurde nun angestupst, scheiße, das ist jetzt echt scheiße, was ist denn? „Hey, wasn los? Biste noch da?“ „Weiß nich,“ war das einzige was ich da sagen konnte, zu sehr vom Anstoßen und dem Mädchen zuvor erschrocken. Eine Zigarette. Ein Bier. So tun, als wäre alles normal. Nur nicht zu schnell; langsame Annäherung, am Besten macht sie selbst das, ich bin ja eh kein Hengst, der gleich auf gute Laune und so macht. Nee, die soll mal den ersten Schritt machen, dann wird’s schon klappen.

Ich holte mir ein Bier; wie sehr wünschte ich mir, dass sie sich jetzt auch was holte. Nichts zu machen. Ich stelle mich zu meinem Freund zurück, nichts. Ich rauche. Noch eine. Noch eine. Ja, ich werde nervös und unsicher, mittlerweile denke ich sogar, das war nur so ein dummer Ich-Will-Mal-Sehen-Ob-Auch-Du-Darauf-Reinfällst-Blick. Großartig. Herzlichen Glückwunsch.

Meine Laune ist hinüber; sie quatscht mit anderen Jungs, und die haben es richtig drauf, schäkern mit ihr, bäumen sich auf, räkeln sich, diese triebgesteuerten Tiere. Nee, das schau ich mir nicht länger mit an.

Oh, das Leben genießen, in vollen wie süßen Zügen: Das geht!

Von Joachim Schmidt, 23:23

oh, das Leben genießen, in vollen wie süßen zügen: Das geht!

Und gut dazu...nur im Moment nicht sonderlich.

Denn wie du merkst: Ich bin schon hier und dort nur noch

der deutschen Sprache fähig im Sechserschritte.

 

Ja, Hexameter nennt sich der Spaß, den lern und les ich nun stündlich.

Ohne jeden Unterlass darf ich mich rüsten zur Prüfung,

Die mich erwartet so bald, ach, weh, ach, hätt ich doch früher

schon...als ich jüngst im Italerland mich labte am Weine, dem roten,

dem unwiderstehlich guten und warmen, der Sonne gut Freund.

Ja Sol, dem man nennt den Ewigen dort...Gelogen die Märe!!!

Im Winter gar kalt und ungeheizt, so grau wie die Maus ists,

doch nicht so klein und kurz, leider nein, er dauert vier Monde.

Da soll mir noch einer sagen: Bella Italia! Ich töt' ihn!!!

Neinnein, ohne Jucks, die Zeit dort war groß, wenn schnell auch vergangen.

Vieles und Gutes wie Schlechtes erlebt hab ich mal südlich wie nordwärts,

Denn reisend besah ich das Land und kaum noch gedenk der Facultas

blicke ich nun - und glaub mir, nicht leicht ists - zurück auf die Zeiten

voll Lust und Muße und Küssen...die auch...will ichs nicht verleugnen.

 

Mein Herr, ich...wie wird mir, ich denk nur an mich und die meinen, so mein' ich,

so hast denn auch du wohl gelebt und genossen die köstlichen Stunden,

von denen du mir nun gänzlich versagt hast erzählende Nachricht.

Nun gut, ich weiß ein Stückchen vom Glück, oder Unglück: Dem Christian,

oh, der ja nun, weiß es nur von dir, die Gefilde verlassen und gehn will.

Das auch betrübt mein Herz zutiefst, für dich, so verstehts sichs,

Denn seinem Leben, so bin ich mir sicher, ists Neues,

Und Neues ist häufig, auch hier mir fast sicher, ein Gutes dem Menschen.

So lernt man ja doch nie das Ende der Welt, selbst wenn es so scheint,

mal kennen, und stets sind da neue Dinge im Leben, die einen reizen.

Will aber nicht sagen, dass Altes vertan, dass Altes vorm Untergang stehe.

Nein, SO nicht, so deutest dus falsch, denn ein jeder kehrt gerne wieder.

So spende Dir selber Trost oder lasse dich trösten vom Christian.

Dem Guten, wie würde ich gerne Euch sehn und uns tauschen der Worte

Bevor der ein oder andere zieht von Dannen ohn'Abschied.

Denn, muss ichs sagen? Jawohl, auch ich bleib kurz nur im Lande,

deswegen, so soll es denn sein, vielleicht kommt ein Treffen zu Stande?

Ich bin der Richtige nicht, fürs Organisiern, das weißt du,

Drum meld ich mich per Telefon, dem Christian halt ichs Versprechen.

 

Ich bin auch des Schreibens so satt und deswegen belass ichs dabei nun.

So sei mir nicht bös dieser kurz letzten Wort, doch ich muss jetzt von Dannen.

 

Einen Moment lang

Von Joachim Schmidt, 23:16

Das junge Paar stand an der Bushaltestelle und liebkoste sich.

Es war tiefe Nacht und die herabgefallenen Kastanienblüten

der gewaltigen Bäume,

die von dem mittlerweile ganz leeren Biergarten auf die Straßen ragten,

klebten unter den Schuhen der zwei betrunken Jungen,

die die Straße entlang schlenderten.

Sie klapperten mit ihren Bierflaschen

und näherten sich den Verliebten. Laut und doch unbemerkt.

So junges Glück.

lauwarmer Frühling und bunte Gefühle

sind den beiden sich liebevoll Berührenden wie ein Rausch durch Herz und Hände geströmt,

vollendete sich in schauererregenden Zärtlichkeiten und weltvergessenen Küssen.

 

Während für die einen die Welt stehen blieb und sich vor ihnen verbeugte,

wich sie vor den anderen zurück.

Sie spuckten zuerst, dann schubsten sie.

Sie traten fester zu und letztlich nahmen sie die Flaschen zur Hilfe.

Als das Glück von der Straße zu kehren war sagte der eine:

„Ich musste etwas Schönes zerstören.“

 

Das Gelächter war noch lange durch die schmalen Gassen zu hören.

I'm lovin' it

Von Joachim Schmidt, 23:12
Ich will klavierspielen, wie lange hab ich kein klavier mehr gespielt?

Der regen draußen ist sowieso nicht einladend für einen spaziergang, ich meine, ich mag auch mal spazieren im regen, aber nicht jetzt, oder doch? Ich steh auf und setz mich wieder hin, sollte ich? Nee, komm, spiel klavier, oder doch erstmal aufs klo. Ja, und da hol ich mir erstmal einen runter. Ich komm zurück, müder als zuvor, is ja klar. Jetzt ein bisschen frische luft, auch nicht schlecht, aber ich könnte ja auch dies oder das andere buch lesen, das ich mir schon seit jahren vornehme und es immer noch hier liegt, oder das andere magazin hier über die entstehung der macht der medici, eine idee, ein drang, darüber auch zu bescheid zu wissen, wie ist eigentlcih das klavier entstanden? Das werde ich beim nächsten mal im lexikon nachschlagen. Vielleicht kann ich es ja mal gebrauchen, gebrauchen, gebrauchen. Ich könnte erstmal eien rauchen und dann die medici. Ich rauche, dann trinke o-saft und gehe ersdtnmal ins internet, um im lexikon das klavier nachzuschlagen, check aber erstmal meine mails, steht nichts besonderes drin. Wen könnte man denn schrieben? Wer könnte denn, naja, was wollte ich noch? Ach ja, medici, also wo ist das magazin? Da ist es. Lese ein zwei seiten und merke nicht einmal, dass es mich langweilt. Sollte ich doch rausgehen? Warum merke ich nicht, dass ich eigtl dieses medici magazin gerne vorgelesen bekommen würde, dabei eine rundes glas wein trinken und darüber nachdenken, oder besser, ich gehe in eine   vorlesung über die medici, das interssiert mich doch nun wirklich, oder es könnte mich interessieren, also ich will studieren, das ist gut. Okay, ich bin interessiert, deswegen bereite ich mich schon mal für die vorlesung vor über die medici, aber wie? Ach ja, hab ja das magazin, also lese ich weiter, strenge mich an, mich zu konzentrieren, funktioniert aber trotz des willens nicht. Okay, ich hol mir erstmal einen runter und schau, ob ich dann vieklleciht doch noch mal weiterlesen kann.

Aber nein, scheissdrauf, das kann mir schon einer erzählen, ich spiele jetzt ein bisschen klavier, welche noten doch? Nicht immer das gleiche, ich will mich ausweiten, ich will was neues lernen, mich weiterentwickeln, also wo sind die noten, ich gucke in den bücherregalen, nischt. Dafür aber eine cd über opern, ein opernführer, oh, das wollte ich doch auch schon längst mal gelesen haben.shit, ich hab vergessen, nachzulesen, wie das klavier entstanden ist.

 

Okay zur sache. Warum solte ich andere eigentlich lächerlich reden, die alles wissen wollen, ich trottel, ich bin selbst einer von ihnen, orientierungslos und weiß im grunde gar nichts. Wer war das gestern oh ja, mandy, sie heisst wirklich so, sie meinte, leute, die alles wissen wollen, wissen am ende nichts. Na und goethe, das universalgenie? Ich bin ja der festen überzeugung, dass er erstaunlich viel geleistet hat, aber zu seiner zeit war das auch noch sehr viel einfacher, etwas zu leisten, als heutzutage, wo in jeder branche einfach mal schon hundertausende doktorarbeiten geschrieben wurden, was kannst du da noch leisten? Und wenn du was tust, dann kann das nicht mehr so überwältigend weitwirkend sein wie damals goethe. Mit seiner farbenlehre zum beispiel. Ich habe sie zwar nicht gelesen, also eigtl, dürfte ich nichts dazu sagen, aber wahrscheinlich, solche mutmaßungen und laienhaften untersuchungen über die farben wie goethe sie damals anstellte würden heutzutage auf der lächerlichenliste im hohlspiegel auf nummer eins stehen. Damals, ja, damals hatte dieser geist eines genies noch andere wirkungen erzielen können.

Was ich sagen will. Man muss einfach mal klarkommen und den kaffee so trinken, wie er kommt, sich in die sonne setzen und selbst wenn es regnet. Einfach mal atmen und den geschmack in den lungen sitzen lassen.

Ich bin kein bhuddist, kein esoteriker, ich bin ein mesnch, der lebt und der sich sein gedanken macht, sich einfach mal keine gedanken machen zu müssen.

Ich bin. Scheiß auf decartes. Ich bin und kann halt kein klavierspielen, werde die namen bei den medici mir wohl nie merken und ich will daran nicht mehr verzweifeln, ich will einfach mal mir einen runterholen wenn mir wirklich danach ist und nicht aus langeweile.

Ist das leben wirklich so vielseitig, wie man es sagt? Wenn man das wissen wegstreicht, was bleibt? Bleibt die erde, bleibt das kochen, bleibt die luft, bleibt dein blut, deine kraft, dein traum, dein drang zu leben, bleibt dein gedanke, bleibt dein geruch, bleibt mein wunsch, bleibt meine geduld, bleibt mein hunger, bleibt meine müdigkeit, bleibt meine lust.

Oder bleibt alles auf der strecke. Jajajaja, schönes wortspiel ich weiß, aber ist das leben so vielseitig? Wenn man nach den radios geht, nein, denn die spielen seit jahrzehnten den gleichen shit. Glaubt man an drogen, bleibst du der gleiche für jeden abgesehen von dir selbst, wenn du dir eine hand abschneidest, was bleibt, dein blut, dein gekürzter arm. Wenn du dich tötest, aber daran denken wir natürlich nicht, denn dann wäre es ja nicht mehr anders, verschieden, neu, frisch, abwechslungsreich, aber wie ist das denn nun? Kann mir einmal bitte jemand sagen, wie ich aus der langenweile der resignation der verweiflung der selbstaufgabe in die freude der ruhe der akzeptanz der lebenschönheit gelangen kann, ohne mir selber etwas vorzumachen. Life is beautiful. Life is forcing an aim.  Das ziel zu sterben, mh? Quatsch, red keinen übersentimentalen scheissdreck zusammen. Das weiss doch jeder, das ziel: Liebe. Schöner Gedanke. Wirklich schöner Gedanke, oder? Ich liebe. Ich liebe es. I'm lovin' it.

Okay, ich geh doch spazieren und suche nach dem, was ich liebe.

Suchst du noch oder lebst du schon. Auch ein nettes Wortspiel, nicht? Ich suche und lebe, lebe und suche, suche leben, lebe die suche, lebe suchend, suche lebend. Gibts da noch ne andere möglichkeit?

 

 

 

 

Und sie konnten ihn alle

Von Joachim Schmidt, 23:05

Es dauerte nicht lange, bis ich mich aus dem Bett erhob. Trotz des Katers. Ich wollte tatsächlich noch ein bisschen Zeit haben, um ein perfektes Frühstück einnehmen zu können. Nichts geht über ein geziemendes Frühstück mit Ei, jeder Menge Kaffee und frischen Toast, der noch nicht allzu pappig geworden ist. Man muss ich zwar immer etwas hasten, dass dieses eben nicht passiert, aber das ist es wert. So ein Toast mit Lachs und Meerrettich.

Der Flug sollte um eins gehen, gepackt war alles. Geduscht, Lena verabschiedet, die treue Freundin, die ich mittlerweile nicht mehr habe, weil ich sie auf all die … ach kacke, was glaubt ihr denn? Ich bin weder so ein Trottel, der mal so schnell aus dem Handumdrehen ne Geschichte loswird, die schon über zwei Jahre her ist. Noch habe ich die Fähigkeit, authentischen Quatsch aus meinen Fingern zu ziehen. Und warum sollte ich son Kack erzählen, der bei irgendeinem Scheißfrühstück geschehen ist?

Es ist absurd. Ich sitze gerade weder beim Frühstück der delikaten Art noch bin ich gerade aufgestanden. Obwohl, das mit dem Aufstehen nehm ich zurück, hat es doch zumindest nichts mit dem morgendlichen Prozedere zu tun, sondern betrifft vielmehr meinen gewöhnlichen Mittagsschlaf, den ich am Nachmittag, frühen Abend abhalte. Von dem bin ich vor drei Stunden erwacht und sitze immer noch auf dem dazu dienlich gewesenen Sofa. Anstatt zu frühstücken trinke ich Wein, freue mich daran, ärgere mich über meine verstopfte Nase, die wahrscheinlich durch den trockenen Rotwein aus den euganeischen Hügeln nur noch verstärkt wurde, knabbere an den Nägeln und höre Tools. Irgendein Texaner hat mir mal diese Musik empfohlenen, 5 Alben gebracht und mir fast jedes einzelnen Lied im Detail samt seiner philosophischen Aussagen auseinandergesetzt. Ich hörte nur den doublebass und eine ziemlich gute Stimme. Es gefiel mir. Aber die Philosophien habe ich damals nur dankend, nickend angenommen, bis er dann irgendwann nur noch freundlich lächelte und mich zufrieden ansah.

Jetzt muss ich an den Texaner denken, als wäre es gestern gewesen. Dabei sind es zwei Jahre, als ich ihn in Italien auf dem Land kennen gelernt hatte. Er war nicht der einzige Texaner in der Gegend. Da waren a bunch of’ em.  Aber alles nette Leute, nicht so rednecks wie man immer denkt. Meiner war sogar so sofisticated, dass er es in seiner Emailadresse auch irgendwie loswerden musste. Die hieß nämlich kaliagathos@hotmail.com . Er wusste schon von irgendwem, dass ich Altphilologie studiere und damit die Weisheit gefressen haben muss, und so fragte er mich, ob ich seine Adresse verstünde. Ich las sie zuerst, dann noch mal, und dann fragte ich ihn, ob es diese hier sei und zeigte mit dem Finger auf eine völlig andere Stelle des Blattes.. Sehr geschickt, dachte ich zumindest, denn so nahm er nicht wahr, dass mein altgriechisch sucks. Ach ja, das, das hieß doch kalos, mhh,. Schön, agathos? Keine Ahnung. Er erklärte mir den shit und ich tat beeindruckt. Aber immerhin. Ich hielt es schon für einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung, wenn ein texanischer Redneck altgriechische Vokabeln in seine email schleust. Hut ab. Das nenn ich mal Vorurteilswiderstrebend. Wie kam ich auf ihn jetzt? Ach ja, wegen Tool. Die Band. Ja, die höre ich also gerade und bin etwas beschwipst, was nicht schadet. Morgen hab ich frei und werde mir vornehmen, etwas zu tun, was ich eh nicht tun werde. Ich bin großartig am faulenzen, sag ich euch. Unglaublich. Heute war ich zwei Stunden draußen, um etwas zu studieren. Dann gab es schon Mittagessen und wir haben Southpark gesehen. Der Franzose hatte dann vor, mich mit auf eine seiner Demos mitzunehmen. Faschisten gegen Kommunisten, langweilig sage ich nur. Er dagegen setzt sich mitten in das Wespennest und macht Fotos. So schon letzte Woche. Dann lässt er sich von den rasierten Idioten verkloppen und träumt von der Sorbonne. So ein Trottel. In seiner Hälfte unseres Zimmers hängen mit meinem Drucker ausgedruckte Fotos von der Okkupation der Uni im letzten Jahr in Paris. Er zeigte mir seine Fotos und fand sich unheimlich geil. Ich habe mich dann umgedreht und mich mit einem Regenschirm bedeckt, als er dann gekommen ist. Sowieso, er ist unglaublich selbstverliebt. Wenn ich ihn mal frage, ob er mit mir was trinken geht, sagt er sehr gerne ja, denn von alleine kommt er nicht auf die Idee, Leute kennenlernen zu wollen. Dann lässt er mich warten, stutzt seine Haare ein wenig, duscht sich, bleibt zehn Minuten vor dem Spiegel regungslos stehen, so stell ich mir das zumindest vor, dann kommt er irgendwann raus und setzt sich ganz spontan einen „verrückten“ Hut auf den Kopf, so, als ob er den gerade eben erst auf der Straße gefunden hätte. Tatsächlich wartet dieser Hut schon seit zwei Monaten auf den richtigen Moment, benutzt zu werden. Jetzt ist es soweit. Wir gehen weg. Nein, nicht heute, das habe ich jetzt bloß so gesagt. Infact, er telefoniert gerade mit seinen Eltern, sogar ziemlich laut. Ist aber kein Problem, ich hör ja Tool, in das auch nicht gerade leise.